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28.06.2013 00:00 Alter: 3 Jahre
Kategorie: Presseartikel
Von: Kurt Daucher

„Jägerstätter muss auf der Bühne gefangen sein“

OÖ Nachrichten, 28. Juni 2013 - HAAG. Die Premiere des Mitterer-Stücks „Jägerstätter“ beim Theatersommer Haag steht kurz bevor.


Regisseurin Stefanie Mohr und ihre Schauspieler sind noch intensiv am Proben – obwohl das Stück vorige Woche erst im Wiener Theater an der Josefstadt uraufgeführt und von Publikum wie Kritik gleichermaßen gefeiert wurde.

OÖN: Frau Mohr, Sie haben als Regisseurin nichts mehr zu tun vor der Premiere. Das Stück ist ja fertig und schon vor Publikum aufgeführt worden.

Mohr: Nein. Haag und die Josefstadt, das sind zwei ganz verschiedene Räume. Es ist wirklich nicht so, dass wir das Stück hier von heute auf morgen spielen könnten. Das lässt sich nicht so einfach von hier nach da transferieren.

OÖN: Die Kubatur der beiden Bühnenräume macht den Unterschied. Die Josefstadt ist das klassische Theater mit viel Bühnentiefe, Haag die Sommertheaterbühne mit viel Breite.

Mohr: Das ist der Punkt. Die Bühne hier in Haag hat natürlich auch eine große optische Qualität. Wir müssen hier aber das, was wir in Wien gemacht haben, zum Teil total umdenken. Es ändern sich Positionen und Wege. Das müssen wir komplett neu einstudieren.

OÖN: Ein konkretes Beispiel ...

Mohr: Wir haben mehrere große Tische auf der Bühne. In einer Szene muss Gerti Drassl diese Tische aufstellen, dass die Tischflächen Richtung Publikum zeigen. Hier ist die Bühne aber so eng, dass hinten auf der Bühne niemand mehr stehen kann.

OÖN: Man könnte doch die Tische etwas kleiner machen.

Mohr: Das geht nicht. Die Wucht soll ja vorhanden bleiben. Wir wollen die Wirkung nicht schmälern. In einer Szene werden die Tische auch zu Gräbern.

OÖN: Wie sehr ist bei der Neuinszenierung auch die Situation „Freiluftbühne“ mitgedacht?

Mohr: Da ergibt sich manches ganz von selbst. Ich freue mich zum Beispiel schon sehr darauf zu sehen, wie es im Laufe des Stücks langsam dunkel wird. Das passt auch so sehr zu diesem Stück. Wir haben auch die Kirche ständig im Bild. Da werden wir noch schauen, wie wir das einbinden. Das Stück spielt grundsätzlich aber in einem geschlossenen Raum. Das ist wichtig und wird auch nicht geändert.

OÖN: Auftrittsmöglichkeiten gäbe es hier bedeutend mehr – auch aus dem Publikum ...

Mohr: Aber wie gesagt: In diesem Punkt ändern wir nichts. Das Stück hat nur eine Tür, durch die die Figuren kommen und gehen. Wesentlich ist, dass die Figuren in diesem Raum gefangen sind, sozusagen.

OÖN: Oder man könnte Jägerstätter, von dem man weiß, dass er ein begeisterter Motorradfahrer war, im Sommertheater mit dem Motorrad vorfahren lassen …

Mohr: Da kann ich mich jetzt nur wiederholen: Wir haben im Stück eine Situation, in der Franz Jägerstätter nicht frei herumlaufen kann. Wir müssten das ganze Konzept des Stücks aufbrechen.

OÖN: Das Stück ist hervorragend gelungen, die Kritiken sind extrem positiv ausgefallen. Wie sind Sie selbst zufrieden?

Mohr: Ich bin wahnsinnig glücklich im Moment. Ich bin aber auch nervös, weil eben hier in Haag noch einmal eine ganz große Aufgabe zu bewältigen ist. Ich freue mich auch, dass das Stück so verstanden worden ist, wie wir es gemeint haben.

OÖN: Arbeiten Sie immer so wie bei „Jägerstätter“ – mit wenig Requisiten, spartanischem Bühnenbild, Schauspielern, die immer auf der Bühne sind und als Chor zentrale Aussagen verstärken?

Mohr: Das mache ich nicht grundsätzlich so. Ich versuche mich schon auf das jeweilige Stück einzulassen. In diesem Fall ist ja ein Chor vorgesehen. Und es ist die Gemeinschaft, aus der Jägerstätter kommt, von zentraler Bedeutung. Da war mir klar, dass diese Gemeinschaft immer auf der Bühne sein muss, auch wenn sie länger nicht am Wort ist.

OÖN: Als Sie zugesagt haben, die Regie von „Jägerstätter“ zu machen, haben Sie das Stück noch nicht kennen können, weil es das Stück noch gar nicht gegeben hat.

Mohr: Ja, es ist aber nicht irgendein Stück. Die Grundzüge der Geschichte sind ja vorgegeben. Und: Ich kenne den Autor sehr gut. Ich habe schon mehrfach mit Felix Mitterer gearbeitet. Da ist ein großes Vertrauen vorhanden.

OÖN: Eine große Herausforderung an die Regie waren sicher jene Szenen, in denen längere Passagen aus den Briefen zitiert werden, quasi als Ferndialoge zwischen Franz und Franziska Jägerstätter.

Mohr: Das stimmt schon. Es ist mir aber nie als unüberwindbare Hürde erschienen. Man findet dann auch Bilder und Szenen, die man daraus machen kann. Die Aufgabe war, diese dokumentarischen Abschnitte in die Geschichte, die gespielt wird, zu integrieren.

OÖN: Sind Sie vor einer zweiten Premiere wie hier jetzt in Haag noch ein zweites Mal nervös?

Mohr: Ich werde wahrscheinlich noch viel nervöser sein, weil so eine große Erwartungshaltung da ist.