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22.06.2013 18:16 Alter: 3 Jahre
Kategorie: Presseartikel
Von: Renate Wagner

Stur gegen das Unrecht

Neues Volksblatt, 22. Juni 2013 - Josefstadt: Uraufführung von Felix Mitterers „Jägerstätter“ — Ab 3. Juli in Haag


Ein Innviertler Bauer erkannte den Nationalsozialismus als Unrechtsregime. Als einziger seines Ortes (und als einer der wenigen unter vielen) leistete er Widerstand. Nicht mit großer politischer Argumentation, zu der er vermutlich gar nicht fähig gewesen wäre. Einfach aus seinem Katholizismus heraus. Er tat, was er tun konnte: Er verweigerte den Wehrdienst, obwohl er die letalen Folgen dieser Handlung kannte. Franz Jägerstätter ging bewusst in den Tod.

Österreichischer Held des Widerstands

Von der Mitwelt und auch der unmittelbaren Nachwelt vielfach denunziert, hat die katholische Kirche diesen Franz Jägerstätter, der seine Tat aus seinem Katholizismus begründete, 2007 selig gesprochen. Mittlerweile gilt er als österreichischer Vorzeige-Held des möglichen Widerstands. Aber es war jedenfalls keine leichte Aufgabe, ihn zu einem greifbaren, begreifbaren Menschen zu machen. Nun, 70 Jahre nach dessen Tod durch das Fallbeil der Nazis, hat Felix Mitterer es versucht. „Jägerstätter“ fand bei seiner Uraufführung im Theater in der Josefstadt viel Beifall. Dass es dennoch schwierig bleibt, die Motivationen eines Mannes, der so aufrecht wie wohl auch stur war, nachzuvollziehen, liegt wohl in der Natur der Sache.

Mitterer macht Jägerstätter in einem kraftvollen Bilderbogen sehr menschlich — ein junger Bauer, in Konfrontation mit einer energischen, entschlossenen Mutter (Elfriede Schüsseleder), der trotz seiner Anständigkeit die Mutter seiner unehelichen Tochter nicht heiratet (Michaela Schausberger aus Vöcklabruck, stark und störrisch), der schon immer mal mit den anderen Bauern am Stammtisch zusammenstößt, vor allem jedoch, als er als einziger in seinem Heimatort St. Radegund gegen den Anschluss stimmt.

Mitterer fokussiert die Argumente Jägerstätters, die diesen in den Tod führen, in einem Gespräch mit dem Bischof von Linz (Peter Scholz, der in Gmunden aufgewachsen ist) — die katholische Kirche kommt nicht sonderlich gut weg. Zu begreifen, dass Jägerstätter die Gattin und drei (bzw. vier) Töchter zurückließ, um den Tod zu wählen, fällt dennoch schwer, wenngleich Gregor Bloéb den unerschütterlichen Mann sehr überzeugend auf die Bühne stellt, dem eine stille, entschlossene Gattin (Gerti Drassl) den Rücken stärkt.

Stephanie Mohr inszenierte in einem bäuerlichen Einheitsbühnenbild fugenlos, geschickt und ohne Angst vor starken Effekten und Gefühlen. Man wollte aus Jägerstätter zweifellos keinen abgehobenen Helden machen und hat es auch nicht getan: Dass es der schlichte oberösterrreichische Bauer war, der „nein“ sagte, nicht ein großer Intellektueller, ist schließlich das Besondere an diesem Fall.

Ab 3. Juli sind Stück und Aufführung beim Theatersommer in Haag zu sehen.