Kategorie: Presseartikel
Von: EVR
Theatersommer Stadt Haag setzt Jägerstätter ein Denkmal
Kronenzeitung, 5. Juli 2013 - Großer Verdienst im Gedenken

Gregor Bloéb setzt sich in seinem letzten Intendantenjahr sowohl mit der Stückauswahl als auch als Schauspieler noch einmal erstklassig in Szene: Sein "Jägerstätter" fasziniert von der ersten Minute an. Foto: Wolfgang Simlinger - www.simi.at
Der Theatersommer Haag überrascht heuer mit einer Inszenierung, die dem Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter ein großes Denkmal setzt. Die Regie von Stephanie Mohr stellt Hauptdarsteller Gregor Bloéb als sensiblen Helden in eine harte Bauernschaft. Die Produktion der Wiener Josefstadt bleibt als packendes, berührendes, „wahres" Theatererlebnis im Gedächtnis.
Felix Mitterers Drama „Jägerstätter" um den Wehrdienstverweigerer aus dem Innviertel ist ein großer Wurf, der den Konflikt zwischen Prinzip und Verantwortung in einen aktuellen Fokus nimmt. Franz Jägerstätter (1907 - 1943) stellte sich aufgrund seiner menschlichen Überzeugung, die er im katholischen Glauben ausgedrückt fand, gegen die nationalsozialistische Ideologie. Schließlich verweigerte er den Kriegsdienst und wurde enthauptet. Im Jahr 2007 wurde er selig gesprochen.
Mitterer lässt Jägerstätter als Einzelkämpfer in einer Bauernschaft auftreten, die - von Austrofaschismus und Katholizismus geprägt - die Nazis willkommen heißt.
Nur Franz Jägerstätter und seine Ehefrau durchschauen dabei, dass der menschliche Preis viel zu hoch ist.
Gregor Bloéb macht Jägerstätter als übermütigen, sensiblen jungen Bauern erstmals richtig spürbar und begreifbar. Das ist ein großer Verdienst im Gedenken. Ihn treibt Liebe in die Arme von Franziska, die Gerti Drassl spielt. Sie wird die besonnene Stimme im brutalen Sturm sein, der dem Helden immer stärker entgegenschlägt. Aber auch dessen Einstellung ist vor Selbstbezogenheit nicht gefeit. Glaube und Hoffnung machen ihn blind gegenüber der Verantwortung für die Familie, was die Regie von Stephanie Mohr gut herausarbeitet. Sie bettet das Drama übrigens in ein neunköpfiges Ensemble, das wie ein Chor dauernd auf der Bühne ist und auch die Schauplatzwechsel durch fein choreographierte Umbauten der Requisiten selbst bewerkstelligt. Gregor Bloéb und Gerti Drassl als Jägerstätter-Paar faszinieren von der ersten bis zur letzten Minute. Heftiger, langer Beifall!
• Weitere Vorstellungen bis 9 August

