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05.07.2013 05:00 Alter: 3 Jahre
Kategorie: Presseartikel
Von: Bernhard Lichtenberger

Felix Mitterer im Interview: „An Jägerstätter muss man erinnern“

OÖ Nachrichten, 5. Juli 2013 - Felix Mitterer spricht über sein Stück „Jägerstätter“, das bis 9. August in Stadt Haag läuft.


Am Mittwoch auf der Stadtplatzbühne in Haag bejubelt: Gregor Bloéb, Elfriede Schüsseleder, Gerti Drassl (v.l.)

»Das Stück ist auch dazu da, ihn den Menschen näher zu bringen, diesen merkwürdigen, widerständigen Bauern aus St. Radegund.« Felix Mitterer, »Jägerstätter«-Autor
Bild: Theatersommer Haag

„Großartiges Theater!“ befanden die OÖNachrichten nach der Uraufführung von Felix Mitterers „Jägerstätter“ am 20. Juni im Theater in der Josefstadt in Wien. Überwältigt und berührt vom Spiel der Lichtgestalten Gregor Bloéb (Franz) und Gerti Grassl (Franziska), die ein gediegenes Ensemble umkränzte, zeigte sich am Mittwoch das Premierenpublikum in Stadt Haag, wo „Jägerstätter“ bis 9. August auf dem Spielplan des Theatersommers steht.

Mitterer hat tief geschürft, um einen Lebensweg freizulegen, der am 9. August 1943 mit der Enthauptung des Innviertler Bauern und Kriegsdienstverweigerers endete, der im Jahr 2007 selig gesprochen wurde. Die OÖNachrichten sprachen mit dem 65-jährigen Tiroler Autor.

OÖNachrichten: Welches Bild des Franz Jägerstätter tauchte am Ende des Schreibens vor Ihnen auf?

Felix Mitterer: Er war ein merkwürdiger, unschuldiger Mensch, ein Kluger, der alles durchschaut hat, ein sehr belesener, gebildeter Mensch, der halt das getan hat, was alle anderen nicht getan haben und ich auch nicht tun würde: Einfach Nein zu sagen, obwohl es den Kopf kostet. Er ist eine denkwürdige Person, an die man erinnern muss.

Wie ordnen Sie Franziska Jägerstätter in dieser Leidens- und Lebensgeschichte ein?

Die Franziska hat man im Dorf dafür verantwortlich gemacht, dass sie ihn da hineingetrieben hätte mit ihrer Bigotterie, wo er doch so ein froher Bursche und Wirtshausraufer war und das erste Motorradl gefahren hat. Damit hatte sie sich jahrzehntelang herumschlagen müssen. Erstaunlich ist, dass sie doch nie eine verbitterte, verzagte, verzweifelte Frau wurde. Sie hat furchtbar viel mitmachen müssen und wir sind trotzdem einem frohen, strahlenden Menschen begegnet, und das ist ja auch eine Art von Wunder.

Sie lassen in dem Stück keine Zweifel daran, dass die Rolle der Kirche keine rühmliche war.

Aber ich verurteile niemanden.

Wie reagierten die geistlichen Würdenträger, die die Uraufführung in Wien gesehen haben?

Sie waren sehr berührt. Kardinal Schönborn, der die Franziska gut kannte und mit ihr beim Papst war, hat mich umarmt. Das hätte ich mir nicht gedacht und es hat mich bewegt. Und der Linzer Altbischof Maximilian Aichern hat mir erzählt, wie er angefangen hat, sich für den Franz Jägerstätter einzusetzen, da hat ihm der oberösterreichische Kameradschaftsbund gedroht, wenn er das nicht einstellt, dann treten alle aus der Kirche aus. Aber er hat nicht nachgelassen, die Herzen hin zu Jägerstätter zu öffnen. Das Stück ist ja auch dazu da, ihn den Menschen näher zu bringen, diesen sehr merkwürdigen, widerständigen Bauern aus St. Radegund.

Verstehen Sie, warum sein Fall so lange unter den Teppich gekehrt und von der Öffentlichkeit ferngehalten wurde?

Weil er halt ein Dorn im Auge war. Ich verstehe das ja auch. Da handelt einer so, und die, die aus dem Krieg zurückkehren und für das Nazi-Regime gekämpft haben, alle Länder überfallen und die Menschen umgebracht haben – wenn die sich Jägerstätter anschauen, dann müssen sie sagen: „Ich habe für Verbrecher gekämpft“. Und wer tut denn das schon gern.

Was hat Sie an der Umsetzung durch Regisseurin Stephanie Mohr berührt?

Ich habe gewusst, wir müssen vermeiden, dass da so ein naturalistisches Fernsehspiel auf der Bühne abläuft. Ich war mir sicher, dass die Steffi Mohr eine Art von Überhöhung hineinbringen wird – und andererseits gehen uns diese beiden Menschen doch ganz tief ans Herz. Darüber bin ich sehr glücklich.

Welche Projekte beschäftigen Sie derzeit?

Jetzt muss ich mit der Fernseharbeit nachkommen, die ich lange Zeit vernachlässigt habe. Ich habe die Fortsetzung der Piefke-Saga versprochen, die sogenannte Russen-Saga, in der die selben Schauspieler von damals wieder auftreten sollen.

 

Jägerstätter: Theatersommer Haag, bis 9. 8.. Karten: OÖN-Tickethotline 0732 / 7805 805, ermäßigt für OÖNcard-Besitzer.