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21.06.2013 18:09 Alter: 3 Jahre
Kategorie: Presseartikel
Von: REINHOLD REITERER

Zuerst totgeschwiegen, dann seliggesprochen

Kleine Zeitung, 21. Juni 2013 - Großer künstlerischer Erfolg für Felix Mitterers "Jägerstätter"-Stück in Stephanie Mohrs Uraufführungsregie im Theater in der Josefstadt.


WIEN. Der Innviertler Bauer Franz Jägerstätter, der am 2. März 1943 in der damaligen Alpenjäger-Kaserne in Wels den Wehrdienst für das ungeliebte Naziregime verweigerte, dürfte das international bekannteste österreichische Opfer der Nazityrannei sein.

1964 veröffentlichte der an der Loyola University Chicago lehrende Soziologe Gordon C. Zahn die erste Biografie des im August 1943 hingerichteten Widerstandskämpfers Jägerstätter, der vor allem im Vietnam-Krieg für viele US-amerikanische junge Männer zum Vorbild wurde.

"Verräter"

Hierzulande hingegen galt er geraume Zeit als "Vaterlandsverräter" und Spinner, über den man am besten den Mantel des Vergessens breitet, ehe Axel Corti mit dem TV-Film "Der Fall Jägerstätter" 1971 mit der Rehabilitierung dieses mutigen, 2007 sogar seliggesprochenen Menschen begann.

Nun legte der österreichische Schriftsteller Felix Mitterer das ungemein informative und dramaturgisch sehr klug gebaute Biografie-Drama "Jägerstätter" vor, (der Stücktext erschien im Haymon-Verlag, 9,95 Euro), das Stephanie Mohr im Theater in der Josefstadt zur Uraufführung brachte. Die Premiere wurde heftig akklamiert, vor allem Gregor Bloéb in der Titelrolle, Gerti Drassl als seine Frau Franziska sowie Autor und Regisseurin.

In 31 Szenen, beginnend mit der Verlesung des Briefes vom Gefängnispfarrer, der die Hinrichtung berichtet, erfährt man ziemlich viel aus dem Leben des geselligen Sturschädels, der mit sich und der Umwelt um seine Entscheidung ringt. Miriam Busch baute einen rundum holzvertäfelten Raum: In dieser engen Welt, in der nichts darüber hinausweist, wird ein Abkömmling dieser bäuerlich geprägten Welt zum Fremdkörper.

In den zweieinhalb Aufführungsstunden schleicht sich niemals Pathos ein, schon gar kein falsches. Bloéb zeigt einen lebenslustigen, geselligen Menschen, der schwer mit sich ringt, Rat sucht und Unverständnis erntet. Er führt vor, dass Vaterliebe und Neinsagen und Konsequenzen tragen, kein Widerspruch sind. Drassl nimmt man in jeder Sekunde ihres Agierens die schlichte, herzensgute Bäuerin ab. In weiteren Rollen überzeugen noch Michaela Schausberger, Michael Schönborn, Peter Scholz, Matthias Franz Stein und Elfriede Schüsselseder. Ein starkes Stück, eine starke Inszenierung.

Jägerstätter. Von Felix Mitterer. Theater in der Josefstadt. Wiederaufnahme im September. Ab 3. Juli beim Theatersommer Haag.

www.josefstadt.org, 2013.theatersommer.at