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21.06.2013 12:50 Alter: 3 Jahre
Kategorie: Presseartikel
Von: Christiane Fasching

Lebendiges Denkmal für einen sturen Nein-Sager mit Herz

Tiroler Tageszeitung, 21. Juni 2013 - Felix Mitterers Stück „Jägerstätter“ wurde am Donnerstag im Theater in der Josefstadt uraufgeführt: In der stimmigen Regie von Stephanie Mohr begeisterten Gregor Bloéb und Gerti Drassl in den Hauptrollen.


Felix Mitterers „Jägerstätter“ mit Gregor Bloéb (Mitte) in der Titelrolle wurde am Donnerstag im Theater in der Josefstadt in Wien uraufgeführt.
Foto: APA/HANS KLAUS TECHT

Wien – Eigentlich wollte Felix Mitterer ja gar kein Stück über Franz Jägerstätter schreiben - vor allem nicht mit Gregor Bloéb in der Hauptrolle. Auf das Projekt „Jägerstätter“ ließ er sich erst ein, als er die wilden Seiten jenes Mannes entdeckte, der sich aus Überzeugung gegen das Nazi-Regime aufbäumte, konsequent den Kriegsdienst verweigerte und schlussendlich von denen, gegen die er sich wehrte, getötet wurde. Jägerstätter, ein Märtyrer? Auch - aber nicht nur, wie Mitterers lebendiges Denkmal für den sturen Hund aus Radegund beweist.

Den Anstoß für das fesselnde Theaterprojekt, das am Donnerstag in der Josefstadt uraufgeführt wurde und ab 3. Juli zum Theatersommer nach Haag wandert, gab Gregor Bloéb - weil er in Jägerstätter ob seiner Trotzigkeit und Geradlinigkeit schon immer einen Verbündeten sah. In Stephanie Mohrs unglaublich stimmiger und schlauer Regie verkörpert der Tiroler Wildfang nun den oberösterreichischen Sturkopf, der ans Leben und an Gott glaubte. Und dafür den Tod in Kauf nahm. Dank Bloéb wird aus Jägerstätter, der 2007 selig gesprochen wurde, kein Abziehbild eines Heiligen, sondern ein wahrhaftiger Mensch, der seine Frau anhimmelt und seine Töchter herzt. Aber auch Motorrad fährt und Watschen austeilt. Und hadert - mit sich, seinem konsequenten Nein und den falschen Jas seiner Umgebung.

Jägerstätters Frau Franziska, die erst im Frühjahr kurz nach ihrem 100. Geburtstag starb, wird von Gerti Drassl verkörpert - ohne viel Schnick-Schnack, ohne großes Tam-Tam. Das hätte wohl auch nicht zu jener Frau gepasst, die 70 Jahre lang das Vermächtnis ihres Mannes verteidigte und dabei über lange Zeit nicht als Opfer akzeptiert, sondern als lästig abgetan wurde. Zwischenzeitlich wollte Mitterer das Stück „Franz und Franziska“ nennen, um die Kraft der Liebe zu unterstreichen, die dieser packenden Geschichte innewohnt, der kein Happy End vergönnt war.

Mitterers „Jägerstätter“ lässt einen dennoch nicht verzweifelt zurück - sondern froh. Froh darüber, dass „Franz und Franziska“ nun endlich ein gemeinsames Denkmal gesetzt wurde.