Wir bedanken uns bei:


Die Niederösterreichische Versicherung

Alle unsere Sponsoren und Partner finden Sie HIER!




< Vorheriger Artikel
18.06.2013 10:17 Alter: 3 Jahre
Kategorie: Presseartikel
Von: Petra Paterno

Wirtschaftskrise im Sommertheater?

Wiener Zeitung, 18. Juni 2013 - Kommentar


Sommertheater lässt sich als Phänomen entgegengesetzter Pole beschreiben: einerseits als Gipfeltreffen von Branchenstars und Hochkultur-Adabeis - siehe Salzburg und Bayreuth. Andererseits als biederes Bühnenspiel mit Schenkelklopfhumor, das vor pittoresker Kulisse - Burg, Schloss, See - als Zugabe zur Sommererholung dargeboten wird.

Diese traditionell klare Trennung scheint sich inzwischen, zumindest in Niederösterreich, etwas aufzuweichen, wohl auch deshalb, weil Land und Gemeinden die Bühnenaktivitäten mit hohen Summen fördern.

Das sommerliche Bühnentreiben ist längst ein Wirtschaftsfaktor geworden, der Arbeitsplätze sichert und in dem Millionenbeträge umgesetzt werden.

Zudem ist derzeit eine neue Intendantengeneration am Zug, die ihren Qualitätsanspruch nicht mehr runterschrauben will. Obwohl noch immer bevorzugt Komödienkost serviert wird und musikalische Revuen weiterhin gern gesehen sind, gibt es in diesem Sommer in Haag etwa ein Auftragswerk von Felix Mitterer - "Jägerstätter" hat Leben und Sterben des bekannten NS-Wehrdienstverweigerers zum Inhalt. Weiters bringt Neo-Intendant Zeno Stanek in Stockerau Dürrenmatts Klassiker "Der Besuch der alten Dame" heraus und sieht darin Parallelen zu heutigen Finanznöten. Margit Mezgolich, neu im Herrenseetheater in Litschau zugange, wird mit John Steinbecks "Von Mäusen und Menschen" einen sozialkritischen Roman aus den 1930er Jahren, der Hochzeit der Depression inszenieren.

Die Wirtschaftskrise hat also das Sommertheater erreicht - ausnahmsweise im positiven Sinn.