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18.06.2013 09:52 Alter: 3 Jahre
Kategorie: Presseartikel
Von: R. REITERER

Nein-Sager und Heiliger

Kleine Zeitung, 18. Juni 2013 - Felix Mitterer schrieb ein Theaterstück über den 1943 hingerichteten Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter.


Herr Mitterer, über den Heiligen Franz von Assisi haben Sie bereits ein Theaterstück geschrieben, morgen hat Ihr "Jägerstätter" über den 2007 seliggesprochenen Innviertler Bauer und Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter Premiere. Wie sind Sie auf diesen Stoff gekommen?

FELIX MITTERER: Das war ein Vorschlag von Gregor Bloéb, der für seine letzte Saison als Intendant des Theatersommers in Stadt Haag ein Stück über den Jägerstätter wollte. Anfangs konnte ich mir das schwer vorstellen.

Wieso?

MITTERER: Es gibt ja da den wunderbaren Fernsehfilm von Axel Corti mit Kurt Weinzierl. Ich habe mir nicht vorstellen können, dass Gregor Bloéb, der ja irgendwie "der wilde Hund" ist, die richtige Besetzung sein könnte. Nach den ersten Recherchen habe ich gewusst, es passt schon.

Wie kam es zum Wandel?

MITTERER: Für mich war Jägerstätter irgendwie ein "Betbruder" und Außenseiter, ein Sonderling halt. Nachdem ich mit der Familie, mit seiner Witwe Franziska, die heuer im März ein paar Tage nach ihrem 100. Geburtstag verstorben ist, den Töchtern und Enkeln sprechen konnte, hat sich mein Jägerstätter-Bild sehr verändert. Er war ein tatkräftiger, fröhlicher Mensch und überhaupt nicht depressiv, wie man nach 1945 verbreitet hat, um sich die Kriegsopferfürsorgerente zu ersparen. Bis zu seiner Entscheidung, den Wehrdienst zu verweigern, war er im Dorf außerordentlich beliebt.

Franz Jägerstätter hatte ab 1933 Gelegenheit, zu beobachten, was sich politisch im Nachbarland Bayern tut. Er war ja auch recht scharfzüngig.

MITTERER: Das kann man durchaus sagen. Da ist ein Bauer aus St. Radegund, dem einem Bischof das Recht abspricht, beurteilen zu können, ob das ein gerechter Krieg sei. Er hat konsequent "Nein" gesagt, wo alle anderen ja sagten. Das hat ihn den Kopf gekostet. Seiner Frau wäre es natürlich lieber gewesen, wenn er zur Familie heimgekommen wäre.

Uraufgeführt wird das Stück morgen im Theater in der Josefstadt und dann am 3. Juli in Stadt Haag. Wie das?

MITTERER: Wie Gregore Bloéb in Stadt Haag gesagt hat, als Abschiedsvorstellung hätte ich gerne den Jägerstätter, da sind sie einmal erschrocken: Sommertheater mit so einem Thema. Dann hat der Gregor mit dem Herbert Föttinger, dem Direktor in der Josefstadt, geredet und der hat sofort gesagt, er macht's.

Kleiner Themenwechsel: Wie weit ist denn Ihre "Russen-Saga" für den ORF noch aktuell?

MITTERER: Sie ist immer noch aktuell. Der ORF wartet, die Schauspieler warten. Es ist ausschließlich meine Schuld, ich bin ich mit der Arbeit im Rückstand, es wird wirklich Zeit. Es liegt nur an mir, dass sich das so hinzieht.

Am 28. Juli haben Sie die nächste Premiere, mit der Dramatisierung von Roseggers "Jakob der Letzte". Zeigt dieser Jakob nicht Ähnlichkeiten mit Jägerstätter?

MITTERER: In gewissem Sinne ist er ein Bruder im Geiste. Es ist eine Geschichte über das Bauernsterben. Einer der sagt, nein, ich verkaufe nicht, ich bleibe da, auch wenn alles rund um mich zu Grunde geht. Es gibt keinen schöneren Platz für die Aufführung als mitten in der Landschaft direkt bei Roseggers Geburtshaus.