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08.05.2013 16:35 Alter: 3 Jahre
Kategorie: Presseartikel
Von: Didi Rath

Irgendwie ein wilder Hund

MOMAG, 8. Mai 2013 - Gregor Bloéb im momag-Gespräch über seine Inszenierung von „Jägerstätter" nach einem Buch von Felix Mitterer für den Theatersommer Haag


Foto: Weinfranz

Nach fünfjähriger Intendanz verabschiedet sich Gregor Bloeb mit der Welturaufführung „Jägerstätter" von Felix Mitterer vom Theatersommer Haag. Grund genug für momag-Schreiberling Didi Rath, mit dem sympathischen Tausendsassa zurück und auch nach vorn zu blicken.

Ein Abschied mit Wehmut? Ja, natürlich! Es war eine ganz großartige Zeit Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, wovon mich sicherlich einige auch weiterhin auf meinem Lebensweg begleiten werden. Das Ganze war von vornherein eine reine Erfolgsstory, die man so gar nicht planen kann. Ein Rädchen glitt ins nächste und so wurde es ein stimmiges Ganzes.

Allein wäre das Ganze jedoch auch nicht zu schaffen gewesen, oder? Ohne ein eingespieltes Team ist man gar nichts. Daher gilt mein Dank und Kompliment all jenen, die vor, auf und hinter der Bühne stehen. Man darf sich dieses Team aber nicht wie eine harmonische Ehe vorstellen, sondern eher wie eine gesunde Streitkultur, die unheimlich viel Spaß und Freude macht. Unser gemeinsamer Mut, Neues zu machen, hat sich allenfalls ausgezahlt.

Bisherige Produktionen waren überwiegend humorvoll. Heuer widmet ihr euch einem ernsteren Thema. Seit meiner frühesten Jugend bewegt mich die Geschichte des NS Kriegsdienstverweigerers Franz Jägerstätter. Ich habe auch den Film von Axel Cortl aus 1971 gesehen. Rein
48 1 mostvieriel mana in aus der Schauspielerei heraus interessiert mich besonders die Psychologie des Helden bzw. die Disharmonie eines Helden, seine Zwiespälte und sein direktes Umfeld. Das ist eine wahnsinnig spannende Geschichte, wo natürlich lustig allein nicht im Vordergrund steht. Jede Tragödie hat seinen Humor und jede Humoreske auch seine Tragödie. Da darf man aber keine Berührungsängste zwischen den Genres haben.

Es geht aber auch um die tiefe Liebe zu seiner Frau Franziska, seinen drei Töchtern und zur Mutter, welche ihn bis zu seinem Tod nicht verzweifeln ließ. Durch die zahlreichen Besuche bei der Witwe in St.Radegund, die heuer im Alter von 100 Jahren verstorben ist, haben wir erst von dieser großen Liebe erfahren. Auch im Film wird alles eher wild, ja depressiv gezeigt. Doch in Wahrheit hatten sie auch viel Schönes, sodass unser ursprünglicher Titel auch „Franz und Franziska" lautete. Eigentlich hätte man sie selig sprechen müssen, Denn die Bedeutung der Liebe ist ja auch im Heute interessant. So von der großen Liebe getragen zu sein, um sein Schicksal zu meistern, ist nach wie vor sehr berührend.

Uns ist es auch ein Anliegen, die Person Jägerstätter irgendwie zu charakterisieren. Er war z.B. nicht nur der Erste in seinem Ort, der damals schon ein Motorrad hatte, sondern er saß auch wegen einer Frauengeschichte im Gefängnis. Irgendwie war er schon ein wilder Hund! Er hatte auch ein uneheliches Kind, was damals am Land moralisch nicht so leicht war. Doch er hat immer schon für sein Lebens- und Liebesgefühl gestanden und gekämpft, sodass er ganz selbstbewusst mit dem Kinderwagen durch den Ort fuhr, so als ob dies das Normalste überhaupt wäre.

Insgesamt arbeite ich seit mehr als zwei Jahren mit Autor Felix Mitterer und Regisseurin Stephanie Mohr zusammen, um diese Inszenierung ein bisschen anders als sonst zu gestalten.

Wie kamst du zu Felix Mitterer? Er ist ja einer der Mitbegründer der Tiroler Volksschauspiele, wo ich bereits im Alter von 15 Jahren meine erste Rolle gespielt habe. Über die Jahre entstand so eine innige Freundschaft, die uns auch immer wieder beruflich zusammenbrachte, wie z.B. bei der Piefke-Saga.

Du stehst auch viel vor der Kamera. Was Ist beim Theater anders? Beim Theater ist alles live und normalerweise gehen die Leute bewegt aus einer Vorstellung raus. Theater ist daher viel lebendiger und nachhaltiger.

Gibt's heuer auch wieder eine Junior-Produktion? Klar, das ist mir ein ganz besonderes Anliegen. Vor zwei Jahren haben wir das Projekt in eine Junior-SeniorProduktion erweitert und in „Die 3 Räuber" sind heuer auch erstmals Menschen mit besonderen Bedürfnissen mit dabei. Jägerstätter hat seinerzeit in Enns über das Euthanasieprogramm erfahren, was für ihn dem Fass den Boden ausgeschlagen hat. In Weiterführung dieses Themas wollen auch wir untermauern, dass es keine lebensunwerten Menschen gibt. Darüberhinaus wird es auch einen „Tag der Lebensfreude" geben, wo die „I Dance company", Tänzer, die mit dem Down Syndrom leben, eine grandiose Vorführung bieten werden.

Das Rahmenprogramm spielt ebenfalls eine große Rolle. Wie wichtig ist dabei das Mostviertel? Das Mostviertel oder vielmehr die Menschen sind ja das Fundament des Ganzen. Heuer gibt es eine Ausstellung, Vorträge, eine Fotoreportage und Schulprojekte in den Fächern Geschichte, Deutsch und Religion. Das Ganze ist ein wunderbares Miteinander, wo es vordergründig nicht allein um das
Aufarbeiten einer schlimmen Zeit geht, sondern um das Hier und Jetzt und vor allem, dass offen darüber gesprochen wird. Die Zusammenarbeit mit Vereinen, der Pfarre, der Lebenshilfe oder mit Motorradclubs ist unheimlich fruchtbringend.

Welche Träume sind noch offen und wie geht es bei dir weiter? Sobald ich Träume fixiert habe, hat der Traum „verschissen', denn dann wird er schon realisiert. Vielleicht fahre ich im Herbst noch eine kleine Marokko-Rallye mit und dann bin ich für 2013 durch. 2014 kommt, was kommt!