Von: Leopold Kogler
Nehme viel von Haag mit
NÖN. 19. März 2013 - Interview | Leopold Kogler sprach mit dem Intendanten des Haager Theatersommers und Hauptdarsteller Gregor Blob über das Stück „Jägerstätter" und seine Erfolge in Haag.

Gregor Bloéb beschäftigt sich schon seit seiner Jugend mit dem Schicksal Franz Jägerstätters. Foto: Haddad
NÖN: Das Stück für den Theatersommer Haag nennt Autor Felix Mitterer kurz und bündig „Jägerstätter". Was bedeutet dieser zugkräftige Titel?
Gregor Bloéb: Felix Mitterer suchte einen bestimmten Zugang zum Stück. Da geht es nicht nur um Franz Jägerstätter, es geht auch um Franziska Jägerstätter. Es geht hier um eine große, einzigartige Liebe. Nicht nur um eine Liebe zu Gott, es geht auch um die rein menschliche Liebe. Franz Jägerstätter war ein lebensfreudiger, lebensbejahender Mensch. Ursprünglich wollte Mitterer das Stück auch „Franz und Franziska'" betiteln.
Mit „Jägerstätter" ist schließlich ein prägnanter Titel gewählt worden, der alles aussagt. Man weiß, worauf man sich einlässt. Ich finde ihn punktgenau.
Was hat Sie gereizt, die Rolle des Franz Jägerstätters zu übernehmen?
Bloéb: Der Mensch und das Schicksal von Franz Jägerstätter beschäftigen mich schon seit meiner Jugend. Ich glaube so seit dem zehnten bis zwölften Lebensjahr. Damals sah ich den Film von Axel Corti „Der Fall Jägerstätter", ein Filmdokument, das sowohl als Würdigung als auch als ein Appell an den aufrechten Gang konzipiert wurde.
Die authentische Geschichte eines einfachen Mannes, der aus Gewissensgründen ablehnt, in einer Wehrmacht zu dienen, die einen verwerflichen Krieg führt, beeindruckte mich sehr. Schon immer wollte ich die spannende Geschichte auf die Bühne bringen. Heldentum ist immer spannend. Helden haben auch mit Scheitern zu tun, mit viel, viel Schmerz für die Umgebenden. Es ist für den einzelnen ein kleiner Schritt, aber für die Menschheit ein großer. Für die Familie ist das dann oft ein schweres Schicksal.
Sie signalisieren in Ihrer Rolle eine klare Identifikation. Was darf der Besucher, was soll der Besucher als „Erkenntnis" von dieser Produktion mitnehmen?
Bloéb: Es ist gut, dass man Aufbegehren darf. Ja, man darf aufbegehren. Jeder soll versuchen seinen Weg zu gehen, sich nicht von allen fangen lassen. Man sollte zu jeweiligen Themen sich eine eigene Meinung bilden. Jeder hat Anspruch auf freie Meinungsäußerung. Man sollte sich nicht scheuen, seine eigene Meinung offen zu äußern.
Nach dieser Saison verabschieden Sie sich als Intendant des Theatersommers. Was nehmen Sie von Haag mit?
Bloéb: Sehr, sehr viel. Extrem viel Schönes. Viel Aufregendes. Abgesehen von künstlerischen Erfolgen, die ich hier in Haag mit meinem Team feiern durfte, nehme ich viele Freundschaften mit. Ich durfte hier Freundschaften schließen, die mich ein Leben lang begleiten werden. Das ist schon toll. Wir haben vieles auf die Beine gestellt, es ist viel Gutes entstanden.
Die Schauspieler, die hier beim Theatersommer in Haag agierten, sind fast alle an großen Häusern und auch mit Auszeichnungen versehen. Großartig ist etwa der Karrieresprung von Bettina Hering zur künstlerischen Leiterin des Landestheaters Niederösterreich. Eine wirklich großartige Sache für sie.
Es war eine tolle Zeit. Eine Zeit, wo ich hier in Haag viel umsetzen durfte. Nun aber ist Schluss. So alle fünf Jahre gehört ein Wechsel. Drei sind zu kurz, da kann man noch nicht den Weg zeichnen. Eine tolle, eine großartige Zeit. Viel Dank an die Mannschaft aus Haag.

